Der Todesengel

Eine Musik-Theater-Performance
von Bernhard M. Eusterschulte
Musik: Ikarisches Ensemble
Dramaturgie: Nadja Herrwerth

eine Veranstaltung im Rahmen des Literatursommers ’06 „Im Spiegel der Romantik“ der Landesstiftung Baden-Württemberg

mit: Johanna Niedermüller, Robert Atzlinger, Daniel Gloger, Bernhard Koessler-Dirsch, Stefan Naszay
Premiere: 31. August 2006, Wagenhallen Stuttgart, Innerer Nordbahnhof 1

„Aber so eingeschränkt ist die Menschheit, dass sie für ihres Daseins Anfang und Ende keinen Sinn hat“, lässt Goethe den Werther reflektieren. Keine Gewissheit. Nirgends. Was heißt da Sterben? Die Aufklärung hinterließ ein metaphysisches Vakuum und die Romantik trat in der Poetisierung des Lebens und seiner Nachtseiten an, es zu füllen. Das ethische Dilemma dieses Mangels an Gewissheit aber – was das Leben, was das Sterben ist, reicht bis in die Gegenwart in dem Bestreben, das, was menschliches Leben ist, zu definieren und seine Grenzen zu verschieben wie zum Beispiel durch lebensverlängernde Maßnahmen. Auf welcher Grundlage aber lassen sich diese Grenzen festlegen? Wer bestimmt sie – gegebenenfalls eigenmächtig? Welchen Halt kann die Religion noch bieten, mit welcher medizinischen Erkenntnis die Wissenschaft aufwarten? Der Wunsch nach Selbstbestimmung, das Streben nach individuellem Glück im Hier und Jetzt, angestoßen durch den theologischen Zweifel, motivieren den Menschen seit der Romantik zu ungeahnter Produktivität, Flexibilität und Mobilität, um das Leben in vollen Zügen auszukosten.

Doch was bleibt vom Leben übrig, wenn es zu Ende geht, wenn die Suche nach individuellem Glück, nach Selbst-Entwurf und Selbstbestimmung – zum Warten auf den Tod wird?

Das Theaterprojekt „Der Todesengel“ thematisiert die Folgen dieses Dilemmas für die Gegenwart am Beispiel der ethischen Problematik der Sterbehilfe, fokussiert in der Patienten-Tötung durch Pfleger und Krankenschwestern, den so genannten „Todesengeln“, mit Texten von Jean Paul, Bonaventura und Eichendorff. Nach dem Tod der Mutter stehen die engsten Angehörigen vor der spärlichen Hinterlassenschaft ihres Lebens und geraten in den Sog eines Lebens, das sie zur Seite geschoben hatten. Wie hat sie in den letzten Jahren gelebt? Wer hat sie gepflegt, als sie pflegebedürftig, als sie dement wurde, als sie ihr ICH vergaß? – „Ist das neben mir noch ein Mensch?“

Mit Unterstützung des Kulturamtes der Landeshauptstadt Stuttgart, des Landesverbandes Freier Theater Baden-Württemberg e.V. aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, der Berthold Leibinger Stiftung und des Theater Rampe Stuttgart.

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