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Macbeth-Room / King or Nothing

Schauspielpferformance von TARTproduktion // Tanztheater von Nina Kurzeja

 WO OBEN UND WO UNTEN IST / Teil IV
Theater Rampe

WAS
In Macbeth begegnen wir bekanntlich jener tragischen Figur Shakespeares, die getrieben von nebulösen Versprechungen, der fixen Vorstellung nachjagt, König werden zu müssen. TARTproduktion und das Tanz/Theater Nina Kurzeja untersuchen in MACBETH-ROOM und KING OR NOTHING aus unterschiedlichen Perspektiven den irrwitzig, tragisch und immer wieder komischen Zustand einer Gesellschaft, deren Mitglieder wie Macbeth an den eigenen Ansprüchen zu scheitern drohen und angesichts des Erwartungs- und Leistungsdrucks ständig am „Rande des Nervenzusammenbruchs“ operieren.

WER
Künstlerische Leitung Macbeth-Room: Eusterschulte / Niedermüller
Raum / Kostüm: Bernhard M. Euterschulte
Musik: Martin Grünenwald
Öffentlichkeitsarbeit: TARTproduktion
Dramaturgie: Andreas Wagner und André Becker

Regie und Choreographie King or Nothing: Nina Kurzeja

Mit: Alexandra Brenk, Johanna Niedermüller, Kira Senkpiel, Klaus Gramüller und Stefan Naszay

 

NAPOLEON RASKOLNIKOW IM SCHNEE

nach Motiven des Romans VERBRECHEN UND STRAFE von F. Dostojewski im Theater Rampe

WO OBEN UND UNTEN IST / Teil I
INHALT
Die Geldnot zwingt den Jurastudenten Raskolnikow dazu, seine letzte Habe zu verpfänden. Vom Raubmord an der Beamtenwitwe und Pfandleiherin Aljona Iwanowa verspricht er sich eine gesicherte Startposition für den gesellschaftlichen Aufstieg. Als Ausnahmemensch weist er die Rechtfertigung der Geschichte zu, die Große Männer wie Napoleon dazu bestimmt habe, ihre Ideen außerhalb der sozialen Regeln durchzusetzen. Warum sollte Rodion Romanowitsch Raskolnikow diese Chance nicht nutzen?
Was bedeutet auf der großen Waage das Leben dieser bösen Alten? Doch kaum mehr als das Leben einer Laus, einer Küchenschabe und noch weniger. (aus „Verbrechen und Strafe“ von F: Dostojewski)

Dostojewski verknüpft das Verbrechen Raskolnikows mit einer Fragestellung, die 150 Jahre nach Erscheinen des Romans nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat. Mehr denn je stellt sich – unter den Bedingungen einer global ausgerichteten kapitalistischen Wirtschaftsordung – die Frage nach der Verbindlichkeit von Normen und Gesetzen, nach dem Verhältnis von individueller Perspektive und gesellschaftlicher Solidarität, nach der Referenz für soziales Handeln, nach Verbrechen, Strafe und Sühne.

TEAM
Mit: Tom Baert, Klaus Gramüller, Bernhard Linke, Georgi Novakov
Künstlerische Leitung: Bernhard M. Eusterschulte, Johanna Niedermüller und Nina Kurzeja
Konzeption und Raum: Bernhard M. Eusterschulte
Textfassung: Bernhard M. Eusterschulte und Rebecca Mühlich
Regie: Johanna Niedermüller
Choreographie: Nina Kurzeja
Dramaturgie: Rebecca Mühlich
Musik: Scott Roller
Regieassistenz: Mina Novakova
Produktionsassistenz: Yana Novakova
Video Website: Thomas Pfisterer

FUCK YOU Eu.ro.Pa!

von Nicoleta Esinencu

Nr. 6 in der Reihe HER MIT DEM SCHÖNEN LEBEN
FUCK YOU Eu.ro.Pa! ist die Auseinandersetzung einer Frau mit der post sozialistischen Realität, dem Verlust der sozialistischen Sozialisation („Heimat“) und Identität und der kindlich naiven Hoffnungen auf Europa, das in der europäischen Konsum-Realität ein besseres Leben verspricht.

„Glaubst Du HEAD & SHOULDERS ist gut? Nächstes Mal bring ich Dir amerikanische Seife mit. Von Avon. Mein Onkel aus den Staaten hat mir welche geschickt.“

Ist dass das Fenster nach Europa? Und so wendet sich die „junge Frau“ an den Vater, die Elterngeneration, erinnert sich der sozialistischen „HELDEN“ aus der Schulzeit, der Vorbilder und Ideale einer Gesellschaftsordnung, die einerseits gelebtes Leben und Identität bedeuteten und andererseits im real-existierenden Sozialismus untergingen.

Spiel: Snezhina Petrova
Konzeption: Eusterschulte / Niedermüller
Regie: Johanna Niedermüller
Dramaturgie: Andreas Wagner
Regie- / Produktionsassistenz: Mina Novakova
Raum / Kostüm: Eusterschulte

 

DIE HAMLETMASCHINE

Projekt-Reihe: HER MIT DEM SCHÖNEN LEBEN
von Heiner Müller

TART Produktion in Koproduktion mit dem Theater Bulgarische Armee (Sofia), dem Theater Rampe Stuttgart und dem Theatre National du Luxembourg (TNL)
Ensemble: Georgi Novakov, Johanna Niedermüller, Nickel Bösenberg, Ekaterina Kirilova Stoyanova, Leonid Anatoliev Jovchev, Snezhina Petrova, Stefan Kostadinov Valdobrev

Regie / Raum / Kostüm: Bernhard M. Eusterschulte
Dramaturgie: Andreas Wagner / Bojan Papazov
Produktionsleitung: Mitko Todorov, Johanna Niedermüller,Yana Novakova
Öffentlichkeitsarbeit: Johanna Niedermüller, Bernhard M. Eusterschulte
Produktionsassistenz: Mina Novakova

Premiere: Theater Rampe Stuttgart

Am 9. Jan 2009 jährt sich der 80. Geburtstag Heiner Müllers. “Die Hamletmaschine”, 1977 in Bulgarien geschrieben, gehört zu Heiner Müllers bedeutendsten Theatertexten und gilt als Weg bereitende Arbeit “postdramatischen Theaters”.
Das vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg und vom Kulturamt der Stadt Stuttgart geförderte Theater-Projekt DIE HAMLETMASCHINE steht im Zeichen des Kulturaustausches Baden-Württembergs mit dem neuen EU-Land Bulgarien, das seit Jan. 08 der Europäischen Union gehört.
Iniziiert wurde das Projekt vom freien Stuttgarter Theater-Label TART Produktion unter der Leitung von Bernhard M. Eusterschulte und Johanna Niedermüller in Koproduktion mit dem Theater Bulgarische Armee Sofia, dem Theater Rampe und dem Theatre National du Luxembourg (TNL).

Die Inszenierung der HAMLETMASCHINE setzt sich mit der jüngsten Geschichte Bulgariens vom Ende der kommunistischen Ära über die BLAUE REVOLUTION ´89 bis zum EU-Beitritt auseinander und überblendet deutsch-deutsche und bulgarische Geschichte, vom Ende des „Kalten Krieges“, der ideologischen System-Erstarrung des Sozialismus, dessen Zustand zwischen Aufbruch und Scheitern Heiner Müller im Reflexionsraum der HAMLETMASCHINE reflektiert, bis zum „Fall der Mauer“ und den sozialen, politischen und ökonomischen Folgen bis heute.
Mit dem Neuanfang der BlAUEN REVOLUTION versprechen Demokratie, Kapitalismus und der EU-Beitritt abermals ein besseres Leben für alle. Wie steht es um die Hoffnungen und Erwartungen nach dem neuerlichen Aufbruch?

 

Hamlet kehrt aus Wittenberg zurück und trifft auf veränderte unrechtmäßge Macht- und Familienverhältnisse, deren Aufklärung er angeekelt verfolgt und die in die Tragödie führen; soweit der uns bekannte Hamlet-Stoff.
Heiner Müller gibt 1977 in Bulgarien den ursprünglichen Plan zu einem eigenständigen Stück über den Hamlet-Stoff auf und verdichtet das Material, das anläßlich seiner Übersetzungsarbeit an Shakespeares Hamlet entsteht, zu einem fragmentarischen Prosa-Text in 5 Bildern, der auf Charactere und Handlung ganz und weitestgehend auf Dialog verzichtet. Der monologische Text verknüpft und verarbeitet zentrale Motive und Figuren des Hamlet-Stoffes (Ophelia, Polonius, Horatio) und assoziatives Text-Material mit zeitgeschichtlichen Ereignissen wie der Niederschlagung des Reform kommunistischen Ungarn-Aufstandes 1956. Für Müller zeichnet sich bereits Mitte der 70er Jahre ab, daß sich die in das sozialistische Gesellschaftsmodells gesetzten Hoffnungen und Erwartungen in der System-Erstarrung des real-existierenden Sozialismus nicht erfüllen werden, kein Dialog mehr stattfindet. In dieser Situation reflektiert Müller selbstkritisch die korrektive, tragisch-komische Rolle des Intellektuellen (Hamlet) und schreibt sie in die Figur des Hamlet-Darstellers ein, der seine (gesellschaftspolitische Funktion) Rolle verloren hat, enttäuscht und bar jeder Hoffnung auf Veränderung und Erneuerung.

 

XANADU CITY

eine TART Produktion in Koproduktion mit dem theater rampe stuttgart und dem Ballhaus Ost

mit Johanna Niedermüller, Yana Novakova, Joachim Bräutigam, Folkert Dücker, Robert Krüger, Stefan Naszay, Da Sun, Minyu Wang

Konzeption: Bernhard M. Eusterschulte u. Amely v. Kapff
Regie: Bernhard M. Eusterschulte
Dramaturgie: Amely v. Kapff

Das Projekt „Xanadu City“ setzt sich mit der gesellschaftspolitischen Situation des Arbeitsmarktes, der anhaltenden Arbeitslosigkeit und den Lebensperspektiven, die das Verhältnis von Arbeit und Identität neu definieren, unter den Vorzeichen einer Arbeitswelt, die Mobilität, Flexibilität und Qualifikationsmaßnahmen prägen, auseinander.
Das Projekt zeigt fünf arbeitsuchende Menschen unterschiedlicher Herkunft und Sozialisation, die das Versprechen eines „besseren Lebens“ in eine Art Trainingscamp auf dem Weg nach XANADU CITY führt. An diesem Übergangsort erwarten sie mit Spannung die Qualifiaktions-Übungen, von denen sie sich die Chance auf ein nicht näher definiertes Beschäftigungsverhältnis in Xanadu City erhoffen.

Die Qualifikations-Schleife
Schulungen und Qualifikationsmaßnahmen für den 1. Arbeitsmarkt sind die Regel. Berufsvorbereitende Praktika sind inzwischen ein weiteres und probates Mittel, um sich für den Einstieg ins Berufsleben zu qualifizieren. All diesen Maßnahmen ist eins gemein: das Versprechen der Qualifikation für den 1. Arbeitsmarkt. Nutzen, Dauer und Vergütung stehen nur leider allzu oft in keinem Verhältnis zum Versprechen, einen Arbeitsplatz zu finden. Die erworbenen Qualifikationen bleiben in der Regel unkonkret. Angestaut wird eine Bereitschaft für ? ein Fähigkeitspotenzial für ? – für was aber, bleibt optional. Und weil dieser Optionalität kein konkretes Arbeitsfeld gegenübersteht, verleibt sie sich ein, was immer ihr fehlt. Und ihr fehlt immer etwas, um bereit zu sein für … ? Demnach kennt die Warteschleife, um die es sich hier handelt, auch kein Ende. Ebenso wie der Erwartung der Qualifikanten immer die Desillusionierung anhaftet, nicht alle möglichen Qualifikationen erworben zu haben. Das Ergebnis ist eine endlose flache Qualifikationsebene ohne Anhaltspunkt, die für alles und nichts bereit hält. Eine identitätsstiftende Aussage wie: „Ich bin …“ kommt nicht mehr vor und beschreibt ein antiquiertes Verhältnis von Arbeit und Leben.

Eine halbe Million Menschen unter 25 haben keinen Job. Experten nennen die Lehrstellensituation „extrem dramatisch“. Für viele Jugendliche gibt es keinen Ausweg mehr aus den Warteschleifen.

„(…) Ohne Schulausbildung geht es in die schulische Fortbildung. Mit 25 kommt der bruchlose Wechsel zu Weiterbildungen für Erwachsene (…) Einige arbeitslose Schulabgänger werden so in Endlosschleifen geschickt. Beschäftigungstherapien ohne Erfolgsaussichten.“

Simon Jäggi; taz vom 31.7.2002

„(…) wir sind uns darin einig, dass man durch die Teilnahme an einem derartigen Projekt aus der Arbeitslosenstatistik fällt und genau darin liegt sicher der Sinn solcher Programme.“

Dörthe Kaiser, Arbeitslos, Erfahrungsbericht einer Jobsuchenden

Der Todesengel

Eine Musik-Theater-Performance
von Bernhard M. Eusterschulte
Musik: Ikarisches Ensemble
Dramaturgie: Nadja Herrwerth

eine Veranstaltung im Rahmen des Literatursommers ’06 „Im Spiegel der Romantik“ der Landesstiftung Baden-Württemberg

mit: Johanna Niedermüller, Robert Atzlinger, Daniel Gloger, Bernhard Koessler-Dirsch, Stefan Naszay
Premiere: 31. August 2006, Wagenhallen Stuttgart, Innerer Nordbahnhof 1

„Aber so eingeschränkt ist die Menschheit, dass sie für ihres Daseins Anfang und Ende keinen Sinn hat“, lässt Goethe den Werther reflektieren. Keine Gewissheit. Nirgends. Was heißt da Sterben? Die Aufklärung hinterließ ein metaphysisches Vakuum und die Romantik trat in der Poetisierung des Lebens und seiner Nachtseiten an, es zu füllen. Das ethische Dilemma dieses Mangels an Gewissheit aber – was das Leben, was das Sterben ist, reicht bis in die Gegenwart in dem Bestreben, das, was menschliches Leben ist, zu definieren und seine Grenzen zu verschieben wie zum Beispiel durch lebensverlängernde Maßnahmen. Auf welcher Grundlage aber lassen sich diese Grenzen festlegen? Wer bestimmt sie – gegebenenfalls eigenmächtig? Welchen Halt kann die Religion noch bieten, mit welcher medizinischen Erkenntnis die Wissenschaft aufwarten? Der Wunsch nach Selbstbestimmung, das Streben nach individuellem Glück im Hier und Jetzt, angestoßen durch den theologischen Zweifel, motivieren den Menschen seit der Romantik zu ungeahnter Produktivität, Flexibilität und Mobilität, um das Leben in vollen Zügen auszukosten.

Doch was bleibt vom Leben übrig, wenn es zu Ende geht, wenn die Suche nach individuellem Glück, nach Selbst-Entwurf und Selbstbestimmung – zum Warten auf den Tod wird?

Das Theaterprojekt „Der Todesengel“ thematisiert die Folgen dieses Dilemmas für die Gegenwart am Beispiel der ethischen Problematik der Sterbehilfe, fokussiert in der Patienten-Tötung durch Pfleger und Krankenschwestern, den so genannten „Todesengeln“, mit Texten von Jean Paul, Bonaventura und Eichendorff. Nach dem Tod der Mutter stehen die engsten Angehörigen vor der spärlichen Hinterlassenschaft ihres Lebens und geraten in den Sog eines Lebens, das sie zur Seite geschoben hatten. Wie hat sie in den letzten Jahren gelebt? Wer hat sie gepflegt, als sie pflegebedürftig, als sie dement wurde, als sie ihr ICH vergaß? – „Ist das neben mir noch ein Mensch?“

Mit Unterstützung des Kulturamtes der Landeshauptstadt Stuttgart, des Landesverbandes Freier Theater Baden-Württemberg e.V. aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, der Berthold Leibinger Stiftung und des Theater Rampe Stuttgart.

Irregehen / crazy going

Ein Musiktheater-Projekt von t-art 2005

Autorin: Anne Eusterschulte
Komposition: Nikola Lutz
Regie / Raum: Bernhard M. Eusterschulte

crazy going / Irregehen ist eine literarische Ereignisskizze und vielschichtige experimentelle Dokumentation der in Berlin lebenden Autorin Anne Eusterschulte. crazy going / Irregehen kreist als atmosphärische Langzeitstudie um das Leben zweier Frauen, Mutter und Tochter, einer psychisch labilen Symbiose, zeichnet ein Psychopathogramm aufbrechender Nerven, verzweifelter Ausbrüche, Wortkaskaden, Stimmen, die ein ganzes Haus und seine Wahrnehmung erzittern lassen. crazy going / Irregehen ist eine Introspektion, entwirft eine Innenwelt, die leere Fenster, kalte Wände und anonyme Türen uns in der Regel verschließen – bis die Ambulanz vor dem Haus steht und die beiden Frauen in der Psychiatrie verschwinden und verstummen läßt, um sie Monate später wieder in der Normalität ihrer Wohnung abzusetzen und den zirkulären Gang psychischer Zerrüttung von Neuem anlaufen zu lassen.

Die Komponistin Nikola Lutz und der Regisseur, RaumBildner und Performer Bernhard M. Eusterschulte setzen die literarische Vorlage der Autorin Anne Eusterschulte crazy going / Irregehen für das Musiktheater mit 2 Sängerinnen, 4 live Sprecher/innen / Stimmen um. Schwerpunkt der Auseinandersetzung sind Risse und Frakturen der symbiotischen Mutter-Tochter-Psyche, die eine eigene groteske Welt generiert, um sich gegenüber der Normalität zu behaupten.

der vil fragt gehet vil irr
(S. Franck, Paradoxa)